Hotel haftet nicht automatisch bei Magen-Darm-Infekten

Wenn mindestens 10 Prozent der Gäste eines Hotels von einer virus- oder keimbedingten Krankheit befallen sind, kann davon ausgegangen werden, dass eine Epidemie vorliegt. Und erst dann kann auch das Hotel dafür verantwortlich gemacht werden. Das hat jetzt das Amtsgericht München in einem aktuellen Fall entschieden.

Anlass war die Klage eines 27-jährigen Hotelgastes aus Mühlheim. Er hatte für sich und seine Lebensgefährtin eine achttägige Flugpauschalreise nach Rhodos zum Preis von 954 Euro gebucht. Das Hotel hat 4,5 Sterne nach Landeskategorie und war zu dieser Zeit mit 1.600 Gästen belegt. Der Kläger und seine Freundin wurden gleich in der ersten Nacht krank und mussten während des gesamten Aufenthalts im Bett liegen sowie die Reise vorzeitig abbrechen.

Der Kläger macht für die Erkrankung den Reiseveranstalter verantwortlich. Im Hotel habe ein Noro-Rota-Virus grassiert. Der Kläger verlangt von dem Reiseveranstalter den gesamten Reisepreis zurück und eine Entschädigung in gleicher Höhe wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit sowie Schmerzensgeld, insgesamt 2176 Euro. Der Reiseveranstalter weigerte sich zu zahlen.

Nun hat der zuständige Richter am Amtsgericht München die Klage in vollem Umfang abgewiesen. Unter anderem deswegen, weil zur Zeit des Aufenthalts des Klägers in dem Hotel weniger als 10 Prozent der Gäste mit gleichen Symptomen erkrankt gewesen seien. Hier könnte nicht mehr von „einer Vielzahl von Gästen“ gesprochen werden. Zudem konnte der Kläger nicht nachweisen, dass die Ursache für die Erkrankung im Verantwortungsbereich des Reiseunternehmens lag. Das Gericht stellt fest, dass alleine aufgrund der Inkubationszeit fraglich erscheint, dass der Kläger und seine Lebensgefährtin sich im Hotel angesteckt haben. Es bestehe zudem eine Vielzahl weiterer Ansteckungsmöglichkeiten, zum Beispiel beim Kontakt mit anderen Personen auf der Reise oder aufgrund von verunreinigtem Meerwasser am Strand.

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