Ein Fall von höherer Gewalt?!

Angesichts der großen Schneefälle in den Alpen, haben wir uns bei der Verbraucherzentrale darüber informiert, unter welchen Umständen Sie Ihren Winterurlaub stornieren können, oder eben nicht.

Bei einem Ereignis „höherer Gewalt“ entsteht für beide Seiten (Reisender und Reisevernastalter) ein Kündigungsrecht und zwar sowohl wenn die Reise bereits angetreten wurde, als auch wenn sie noch bevorsteht.
Was ist nun höhere Gewalt? Laut Verbraucherzentrale verstehen Juristen darunter „ein von außen kommendes, unabwendbares und nicht voraussehbares Ereignis, das die Reise erheblich erschwert, gefährdet oder vereitelt“. Darunter fallen auch Naturkatastrophen (Lawinen). Wer allerdings trotz Reisewarnung des Auswärtigen Amtes seinen Urlaub bucht oder eine Warnung des Reiseveranstalters ignoriert, geht bewusst ein höheres Risiko ein und kann den Reisevertrag nicht wegen höherer Gewalt kündigen. Ob höhere Gewalt vorliegt, hängt dabei nicht von der persönlichen Einschätzung des Reisenden ab.
Die objektive Einschätzung ist oft nicht leicht, so die Verbraucherzentrale: „Ist beispielsweise nicht nur das gebuchte Hotel stark beschädigt, sondern darüber hinaus die gesamte Urlaubsregion verwüstet, stehen die Chancen auf Kündigung wegen höherer Gewalt gut.“ Auch wenn die Gefährdung durch ein Krisenereignis noch fortbesteht (Lawinengefahr), kann sich der Reisende leichter vom Vertrag lösen.
Wenn der Urlaub allerdings noch so weit in der Zukunft liegt, dass Schäden noch beseitigt werden können, oder sind die Schäden nur geringfügig, gilt dies nicht als höhere Gewalt.
Sollte tatsächlich höhere Gewalt vorliegen, kann der Reisende den Vertrag kündigen, ohne dass dafür Stornopauschalen oder Bearbeitungsgebühren berechnet werden dürfen. In diesem Fall muss der Reisepreis nicht gezahlt werden, bereits gezahlte Beträge dürfen zurückverlangt werden.
Bei einem Reiseabbruch wegen höherer Gewalt müssen nur die bis dahin erbrachte Leistung, sowie die Kosten für Hin- und Rückreise gezahlt werden.
Wer seinen Urlaub nicht abbricht und im Krisengebiet bleibt, kann eventuell den Reisepreis mindern, etwa dann, wenn einzelne Reiseleistungen nicht mehr dem gebuchten Standard entsprechen oder sogar ganz ausfallen.
Reiserücktrittsversicherungen haben mit höherer Gewalt nichts zu tun.